Das mathäser, das Monopol, das Gloria-Theater: An Kinos mangelt es München wahrlich nicht. Ob Mainstream oder Arthouse, ob Originalton mit Untertiteln oder deutsche Synchronisation, ob IMAX oder reguläre Technologie, die Lichtspielhäuser unserer Stadt sind vielseitig und lassen keine Wünsche offen. Auch mit dem Interieur können viele Münchner Kinos punkten, sodass Cineasten wie Architekturliebhaber gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Eine solche Perle war stets auch das Filmtheater am Sendlinger Tor. Dieses hatte Anfang 2025 vorläufig seine Tore schließen müssen, soll aber nun neues Leben eingehaucht bekommen.
Ein Kino wie ein Opernhaus, inklusive Orchestergraben
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Das Filmtheater am Sendlinger Tor wurde 1913 von niemand geringerem als Carl Gabriel gegründet. Dieser bescherte uns bereits andere Kinos wie das Museum Lichtspiele, in dem ihr wöchentlich die Rocky Horror Picture Show sehen könnt, und brachte das legendäre Teufelsrad auf die Wiesn. Wie auch das Museum Lichtspiele ist das Filmtheater ein besonderes Kino, das im Inneren einem Opernhaus gleicht. Lange Zeit gab es sogar einen Orchestergraben, in dem die Geschehnisse auf der Leinwand musikalisch live begleitet wurden.
750 Zuschauende fanden hier früher Platz, später waren es immerhin noch stattliche 400. Auf dem Parkett oder in den separat erreichbaren Logen ließen sie sich nieder und schauten gebannt auf die 50 Quadratmeter große Leinwand. Sogar König Ludwig III. von Bayern sowie sein Rupprecht waren hier schon zu Gast. 112 Jahre lang war das in Betrieb und brachte Arthouse-Filme, Independent-Kino und anspruchsvollen Mainstream in die Münchner Innenstadt. Dafür wurde das Filmtheater mit zahlreichen Preisen bedacht, darunter der Ehrenpreis des Bayerischen Films und die „München leuchtet“-Medaille.
Es gehörte zu den oberen 20% der umsatzstärksten Kinos und Deutschlands, an mangelnden Besuchern scheiterte es also nicht. Stattdessen war ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen den Betreibern des Kinos und den Besitzern des Gebäudes der ausschlaggebende Grund für dessen Aus. Über 15 Jahre lagen die beiden Parteien im Clinch, bis es schließlich zu einer Räumungsklage kam. Das Filmtheater am Sendlinger Tor war damit erst einmal Geschichte.
Eine neue Zukunft für das Filmtheater?

Der leuchtende Schriftzug und das riesige, handgemalte Plakat, das das aktuelle Flaggschiff des Programms präsentierte, prägten jahrzehntelang das Stadtbild rund um das Sendlinger Tor. Für viele war es nicht zuletzt wegen der Architektur und Gestaltung ein absolutes Lieblingskino. Nun soll es zumindest für kurze Zeit eine Renaissance erleben, wenn auch anders als zuvor.
Von Januar an soll für drei Monate eine Zwischennutzung neues Leben ins Filmtheater am Sendlinger Tor bringen. Matthias Schlick will gemeinsam mit dem Künstlerkollektiv Broke. Today und dem Independent Streamingdienst behind the tree aus dem Kino einen Ort für Kultur schaffen. Der denkmalsgeschützte Kinosaal bleibt dabei so, wie er ist, das Leuchtschild am Eingang wird hingegen nur noch die Buchstaben D, I, N & G zeigen und um ein S am Ende ergänzt werden. „Ding’s“ nennt sich das Projekt nämlich, das Kunst, Videoinstellationen und auch Filmvorführungen in das alte Lichtspielhaus bringt. Wie es nach den drei Monaten weitergeht, wird sich am Ende des zeigen. Die Initiatoren hoffen auf Verlängerung, das hängt jedoch vor allem von der Resonanz der Gäste ab.