Wer an begehbare Statuen denkt, der hat vermutlich sofort die Freiheitsstatue im Kopf. Dabei müsst ihr gar nicht über den großen Teich fliegen, um in den Genuss zu kommen, denn wir haben unsere eigene Version in München. Fast 20 Meter ragt sie auf ihrem Sockel über der Theresienwiese empor und spätestens mit dem Start des Oktoberfests gehen wir wieder unzählige Male an ihr vorbei. Dabei ist die Wiesn der perfekte Zeitpunkt, um auch einmal das Innere der Bavaria zu erforschen.
Nach antikem Vorbild

König Ludwig I. machte es sich zum Ziel, eine bayerische Identität zu stiften. Aus diesem Grund setzte er Projekte wie die Ruhemshalle über Kelheim oder die Walhalla nahe Regensburg um. In deren tempelartiger Architektur spiegelt sich sein Faible für das antike Griechenland wider. Aufgrund dieser Vorliebe wollte er aus München ein Isar-Athen machen. Diese Bestrebungen sehen wir bis heute noch am Königsplatz und auch an der Theresienwiese. Hier steht die Bavaria umrahmt von der Ruhemshalle als patriotisches Symbol, die Leo von Klenze als griechische Amazone entwarf. Der Bildhauer Ludwig Schwanthaler, der mit ihrer Umsetzung betraut war, germanisierte sie anschließend.
Die Bavaria war die erste Kolossalstatue seit der Antike, die vollständig in Bronze gegossen wurde. Sie misst 18,52 Meter und steht auf einem 8,92 Meter hohen Sockel, erreicht somit also eine Gesamthöhe von fast 28 Metern. Auf dem Kopf trägt sie einen Eichenkranz, einen weiteren hält sie in ihrer ausgestreckten linken Hand. Nach den Entwürfen Klenzes sollte sie eigentlich einen Lorbeerkranz halten, doch Schwanthaler verwandelte ihn in Eiche, da diese als deutsch gilt. Auch das Bärenfell, das sei trägt, geht auf ihn zurück und gibt ihr eine germanische Gestalt. In der rechten Hand hält sie ein Schwert und darunter kauert ein Löwe. Der Löwe ist einerseits das Wappentier von Bayern, symbolisiert andererseits auch Wehrhaftigkeit, ebenso wie das Schwert der Bavaria.
Die Aussicht aus der Bavaria

Ludwig ließ eigens für den Guss der Bavaria eine neue Gießerei bauen, in der die Statue ab 1844 entstand. Man nutzte die Bronze türkischer Kanonen, um die vier Teile der Statue zu gießen. Im Jahr 1850 wurde sie schließlich zum Oktoberfest enthüllt und eigeweiht – auch wenn Ludwig I. zu dieser Zeit bereits abgedankt hatte. Seither thront die Patronin von Bayern auf der Theresienhöhe, hinter sich sie Ruhmeshalle. Diese zeigt die Büsten bedeutender deutscher Persönlichkeiten und erinnert mit ihren dorischen Säulen an eine griechische Akropolis.
Das Innere der Bavaria ist hohl, sodass ihr die Statue begehen könnt. Der Eingang befindet sich auf ihrer Rückseite im Sockel, wo das Kassenhäuschen auf euch wartet. 5€ zahlt ihr für den Aufstieg in den Kopf der Statue. Eine schmale Wendeltreppe führt euch über 126 Stufen nach oben und lässt euch den Bronzeguss von Innen bewundern. Oben angekommen könnt ihr aus den Gucklöchern hinab auf die Theresienwiese blicken. Gerade während des Oktoberfests lohnt sich der Besuch, um das bunte Treiben auf dem Gelände von oben zu beobachten. Aufrecht stehen könnt ihr in dem Kopf übrigens nicht, es gibt aber ein paar Sitzgelegenheiten.
Nach eurem Abstieg könnt ihr unten die Ruhmeshalle entlangschlendern oder ihr macht einen Abstecher in den Bavariapark, der hinter der Statue liegt. Hier gibt es einen schönen Biergarten, in den ihr einkehren könnt und einen tollen Spielplatz für eure Kinder. Die Freitreppe vor der Bavaria ist wiederum ein beliebter Treffpunkt, um mit Blick auf die Theresienwiese den Tag ausklingen zu lassen. Im Winter könnt ihr das Innere der Statue leider nicht mehr besichtigen, doch dafür bietet sich der Hang hinunter zur Theresienwiese perfekt zum Rodeln hat. Die Bavaria hat noch bis 20. Oktober offen, bevor sie in die Winterpause geht.
📍 Ort: Theresienhöhe 16
🕐 Öffnungszeiten: Täglich 09 bis 18 Uhr bis einschließlich 19. Oktober
💶 Preisinformation: 5€ regulär, 4€ ermäßigt