Wer heute eines der vielen städtischen Freibäder besuchen will, kann diese easy per ÖPNV erreichen. Vor 140 Jahren sah die Sache jedoch noch ein bisschen anders aus. Damals verkehrte zwar bereits die Tram in der Stadt, allzu weit reichte das Netz aber nicht und die Waggons wurden außerdem von Pferden gezogen. Das änderte sich, als der August Ungerer eigens für sein Schwimmbad eine Verlängerung der Straßenbahn schuf, die elektrisch fuhr. Heute führt dagegen keine Tram mehr ans Ungererbad, doch ganz viel Spaß erlebt ihr hier nach wie vor.
Eine Tram fürs Schwimmbad

1886 kam August Ungerer zu Land in Schwabing, das er zu einer Badelandschaft Grotten, Teichen und Café ausbaute. Damals trug es noch den Namen „Würmbad“, da es sich um ein Naturbad handelte, dessen Wasser aus der Würm stammte. Über den Biedersteiner Kanal, an dem auch das Dantebad und die Georgenschwaige liegen, gelang es in die Becken. Dieser fließt heute noch durch das Gelände. Damit die Gäste seine Badelandschaft auch erreichen konnten, erweitere Ungerer kurzerhand die Pferdetram, die damals an der Münchner Freiheit endete.
Die Strecke bis zum Schwimmbad legte die Tram nicht mithilfe von Pferden, sondern von Elektrizität zurück. Die Technik war damals einzigartig in München und ein bisschen ihrer Zeit voraus. Nach gerade einmal neun Jahren stellte die erste elektrische Straßenbahn Süddeutschlands ihren Betrieb wieder ein. Heute befindet sich die nächste Tramhaltestelle gut 650 Meter vom Ungererbad entfernt – näher liegt die U6 am Nordfriedhof.
Badeparadies Ungererbad
Heute ist das Ungererbad kein Naturbad mehr; dafür müsst ihr in die Georgenschwaige oder ins Maria Einsiedel. Stört ihr euch hingegen nicht am gechlorten Wasser, dann ist das Freibad der perfekte Anlaufpunkt für die ganze Familie. Es ist wie ein Park angelegt, weshalb es vor allem durch sein Grün und den alten Baumbestand besticht. Wagt euch auf die Sprungtürme und zieht nach eurer Landung eure Bahnen im Sportbecken. Zwei weitere Schwimmbecken sowie ein großer Planschbereich für Kinder wollen ebenfalls erkundet werden. Wer besonders auf Actions steht, saust die 57 Meter lange Rutsche hinunter.
An Land messt ihr euch bei einer Partie Tischtennis, liefert euch ein Volleyball-Match oder strengt eure grauen Zellen beim Bodenschach an. Die Kleinen (und Junggebliebenen) toben sich auf den Trampolinen oder dem großzügigen Abenteuerspielplatz aus. Und wer sich gerne ohne Bikinistreifen sonnt, sucht den FKK-Bereich auf. Stärkung gibt es am Kiosk mit Biergarten.
📍 Ort: Traubestr. 3
🕐 Öffnungszeiten: Mo-Do ab 10 Uhr, Fr-So ab 09 Uhr
💶 Preisinformation: 6,30€ regulär, 4€ ermäßigt