Stellt euch vor, ihr spaziert im 17. Jahrhundert über ein freies Feld, circa zwei Stunden Fußmarsch von der Münchner Residenz entfernt. Genau dort schlug 1664 die Geburtsstunde eines der beeindruckendsten Bauwerke Deutschlands und Europas! Aus Freude über die Geburt des Thronerben Max Emanuel ließ Kurfürst Ferdinand Maria für seine Gemahlin Henriette Adelaide von Savoyen ein elegantes Sommerhaus errichten. Damals ahnte niemand, was sich aus dem vergleichsweise schlichten Landhaus entwickeln würde. Über zwei Jahrhunderte wandelte sich das Gebäude durch namhafte Baumeister zu einer majestätischen Schlossanlage. Mit ihren gestaffelten Pavillons erreicht die Schlossfront heute eine Fassadenbreite von rund 632 Metern und übertrifft damit sogar die berühmte Schlossfassade von Versailles.
Wie aus dem Landhaus eine majestätische Residenz wurde

Die Entstehungsgeschichte und der historische Wandel von Nymphenburg sind ein faszinierendes Zusammenspiel aus Kunst und fürstlicher Repräsentation. Nach ersten Entwürfen der Architekten Agostino Barelli und Enrico Zuccalli erweiterte Kurfürst Max Emanuel das Hauptgebäude unter Joseph Effner um verschiedene Elemente, wie Pavillons, Galerien und das halbkreisförmige Rondell. Spätere Herrscher hinterließen ebenso glanzvolle Spuren: Kurfürst Karl Albrecht bereicherte den Park um die weltbekannte Amalienburg, ein Bereicherung für das europäische Rokoko. Im zentralen Steinernen Saal wurden prunkvolle Fresken erschaffen, während König Ludwig I. die berühmte Schönheitengalerie in Auftrag gab. Zudem erblickte König Ludwig II. 1845 in den Gemächern des Schlosses das Licht der Welt.
Schloss Nymphenburg als grüne Oase im Herzen der Stadt

Heute ist Schloss Nymphenburg ein lebendiges Naturparadies mitten in München. Der 180 Hektar große Schlosspark ist nach dem Englischen Garten die zweitgrößte Grünfläche Münchens. Im Park verstecken sich historische Parkburgen wie die Badenburg mit dem ersten beheizbaren Hallenbad der Neuzeit, die Pagodenburg und die mystische Magdalenenklause. Zudem beherbergt der Komplex das Marstallmuseum mit prunkvollen Kutschen, das Museum Nymphenburger Porzellan sowie das Naturkundemuseum Mensch und Natur. Seit 1760 ist hier auch die renommierte Porzellanmanufaktur Nymphenburg zu Hause, deren traditionelles Handwerk zum immateriellen Kulturerbe gehört und sich als perfektes Souvenir eignet.