Bayern ist Bierland und das gilt natürlich auch für dessen Hauptstadt. Das heißt jedoch nicht, dass Wein in der Geschichte von München nie eine Rolle gespielt hat. Bereits im 14. Jahrhundert entstand die Weinstraße, die bis heute am Neuen Rathaus vorbeiführt und damals gab es hier sogar einen Weinmarkt. Und auch der Weinstadl befand sich hier ganz in der Nähe, in einem der ältesten Bürgerhäuser der Stadt, das bis heute erhalten blieb. Das ist seine Geschiche.
Eine bewegte Geschichte

Bereits 1525 entstand der gotische Weinstadl an der Dienerstraße mit Laubengang und Treppenturm. 1550 kaufte die Stadt das Gebäude, um darin Wein zu lagern und diesen zu verkaufen. Auf diese Weise wollte man der steigenden Nachfrage gerecht werden. Bereits ein Jahr später jedoch ließ die Stadt das Bürgerhaus durch Maurermeister Hans Aerenhofer zur Stadtschreiberei umbauen. Dabei blieben der Laubengang und der Treppenturm des alten Stadls erhalten. Die Fassade erhielt eine Bemalung durch Hans Mielich, einen der bedeutendsten bildenden Künstler Münchens.
Von 1552 bis 1612 war die Schreiberei in dem Bürgerhaus untergebracht, danach hatte es wieder die Funktion des Weinstadls inne. Im 18. Jahrhundert beginnt dann seine gastronomische Geschichte, denn nun dient er nicht mehr nur als Lager- und Verkaufsraum, sondern wird erstmals zu einem Wirtshaus. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude schwer beschädigt; der Wiederaufbau erfolgte in den 1950ern. Nun erstrahlt es wieder in seinem alten Glanz und ihr könnt die detailierten Malereien an dessen Fassade bewundern.
Im Innenhof entdeckt ihr wiederum den gotischen Treppenturm, der sich wie eine Schnecke windet. Er ist das letzte verbliebene Exemplar seiner Art in ganz München. Des weiteren ist das Bürgerhaus eines der wenigen, die noch über eine Himmelsleiter verfügen, ähnlich wie das Bier- und Oktoberfestmuseum. Die Innenräume überspannt ein gotisches Kreuzgewölbe, das den mittelalterlichen Charme in die Gegenwart holt.
Gastronomie im Weinstadl
Früher konntet ihr im Weinstadl bayerische Küche beim Hofer genießen und echte Münchner Tradition spüren. Mittlerweile befinden sich zwei neue Restaurants in den Lokalitäten und verfolgen ganz anderen Konzepte. Bei Bar Tartar dreht sich alles, wie der Name bereits verrät, um Tatar. Ob Rind, Lachs oder vegetarisch, hier bekommt ihr Tartar in all seinen Variationen. Dieses genießt ihr zusammen mit guten Cocktails entweder in den historischen Innenräumen oder im schönen Hof.
Seit 2021 befindet sich außerdem das gehobene Restaurant Tohru von Koch Tohru Nakamura in der ehemaligen Schreiberei. Bereits ein Jahr nach Eröffnung erhielt es seine ersten beiden Michelin-Sterne, letztes Jahr kam der dritte hinzu. Wenn ihr es euch richtig gut gehen lassen wollt, dann seid ihr hier auf jeden Fall an der richtigen Adresse.