Wenn ihr vom Isartorplatz durch die historischen Torbögen des Isartors schlendert und im Tal kurz die Uhrzeit ablesen wollt, müsst ihr genau hinschauen! Am 1337 errichteten mittelalterlichen Stadttor hängen zwei Turmuhren. Eine davon sorgt bei Vorbeigehenden regelmäßig für rauchende Köpfe. Während die Uhr auf der Ostseite ganz klassisch im Uhrzeigersinn tickt, läuft die Turmuhr auf der Westseite in Richtung Tal vollständig spiegelverkehrt und gegen den Uhrzeigersinn! Wir erklären alle Hintergründe zu diesem skurrilen Detail in der Münchner Innenstadt.
Karl Valentin und Willy Brandt: Das Geheimnis hinter den verkehrten Zeigern

Dass die Uhr auf der Westseite andersherum tickt, ist natürlich kein technisches Versehen, sondern eine bewusste Huldigung an den legendären Münchner Komiker Karl Valentin. In den Türmen des Isartors ist seit 1959 das Valentin-Karlstadt-Musäum untergebracht, das nach seiner Brandschutzsanierung am 10. Juli 2026 frisch wiedereröffnet wurde. Die rückwärtslaufende Uhr ist ein Sinnbild dafür, die Dinge einfach mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Ganz im Sinne Valentins, der für seine Skurrilitäten bekannt war. Gleichzeitig spielt das spiegelverkehrte Zifferblatt charmant mit der berühmten Aussage des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt: „In Bayern gehen die Uhren anders.“
Denkmalschutz und Spendenaktion: Wie die Gedenkuhr ans Isartor kam

Die heutige Karl-Valentin-Gedenkuhr hängt noch nicht ewig am Turm, denn sie wurde erst im Jahr 2005 installiert. Ermöglicht wurde die Kuriosität durch eine Spende von 10.000 Euro der ehemaligen Wirtin des Turmstüberls namens Petra Perle. Da das historische Bauwerk unter strengem Denkmalschutz steht, gab es anfangs Gegenwind. Erst als sich Alt-Oberbürgermeister Christian Ude einsetzte und der Stadtrat im Rathaus einstimmig zustimmte, war der Weg frei für das einzigartige Kunstwerk der Georg Rauscher Turmuhrenfabrik.
Wenn ihr das Isartor besucht, lohnt sich neben dem Blick auf die Uhr auch ein Abstecher ins Museum. Neben der überarbeiteten Karl-Valentin-Ausstellung könnt ihr dort seit dem Sommer 2026 auch die neue Ausstellung „Liesl Karlstadt – Flug zum Mond“ entdecken.