Münchens Schlösserlandschaft ist beeindruckend. Wir haben dem bayrischen „Märchenkönig“ Ludwig II. einige Prachtexemplare und UNESCO-Weltkulturerbestätten zu verdanken. Man muss sich nur das Schloss Neuschwanstein und das am Herrenchiemsee anschauen, um zu wissen, dass der alte König eine Vorliebe für Prunk und Gold hatte. Interessanterweise sind aber nicht alle seiner Bauten so. Das Schachenschloss – offiziell Königshaus am Schachen – ist sein wohl skurrilstes Projekt.
Unten Bayern, oben Orient

Das Schachenschloss liegt auf 1.866 Metern Höhe im schönen Wettersteingebirge bei Garmisch-Partenkirchen. Gemeinsam mit den anderen Schlössern von König Ludwig ist es seit Juli 2025 ein Teil des UNESCO-Welterbes.
Das Schloss ist ein architektonischer „Wolf im Schafspelz“. Denn es bietet einen extremen Kontrast zwischen Außen und Innen. Das Erdgeschoss sieht aus wie ein gemütliches, bayerisches Holzhaus. Im Gegensatz zu den typischen Ludwig-Schlössern ist es mit der Zirbelholztäfelung fast schon schlicht.
Wer die Treppe hochgeht, erlebt aber das Gegentei. Plötzlich steht ihr in einem orientalischen Prunksaal wie aus 1001 Nacht. Der Türkische Saal beinhaltet vergoldete Schnitzereien, bunte Glasfenster, Pfauenfedern, Diwane und ein Springbrunnen in der Mitte. Ludwig ließ hier oben regelrecht den Orient aufleben.
Ein Schloss für seinen Geburtstag

Trotz der Abgeschiedenheit war Ludwig hier oben nicht nur zum Entspannen. Er soll täglich rund 11 Staatsakten bearbeitet und unterschrieben haben, die ihm per berittenem Boten hochgebracht wurden. Ansonsten nutzte er das Haus aber rein als Rückzugsort – in der Regel, um seinen Geburtstag am 25. August zu feiern. Dazu ließ sich der König im Türkischen Saal von Dienern in orientalischen Kostümen bedienen. Es wurde Wasserpfeife geraucht und Tee getrunken.
Wer es besichtigen will, sollte aber Zeit mitbringen: Denn ihr erreicht das Schachenschloss nur über Wanderwege zu Fuß oder mit dem (E-)Mountainbike. Es gibt keine Straße für normale Autos und keine Seilbahn. Plant ungefähr 3 bis 4 Stunden für den Aufstieg ab Elmau ein.
Der Eintritt kostet 6 Euro und beinhaltet eine Führung durch das Schloss. Auf eine andere Art könnt ihr es gar nicht erst besichtigen. Führungen mit maximal 30 Personen finden jeden Tag von 9 bis 17 Uhr zu jeder vollen Stunde statt. Falls ihr noch etwas mehr Natur erleben wollt, solltet ihr unbegint auch den Botanischen Alpengarten direkt nebenan besuchen: Hier wachsen über 1.000 Hochgebirgspflanzen aus aller Welt.