Was passiert mit einem Supermarktparkplatz, wenn der Laden zu hat? In der Regel nichts. Er steht leer, obwohl unzählige Münchner abends vergeblich nach einem Stellplatz suchen. Das Münchner Unternehmen Wemolo will genau diese Lücke schließen und hat dafür im Juli ein Pilotprojekt mit Aldi Süd gestartet: An sechs Münchner Standorten stehen nach Ladenschluss insgesamt 81 Stellplätze für Anwohner zur Buchung bereit.
Der Hintergrund ist nüchtern: Eine aggregierte Auswertung der deutschen Wemolo-Standorte zeigt, dass Handelsparkflächen während der Öffnungszeiten im Schnitt nur zu rund 30 Prozent belegt sind. Nachts liegt die Nutzung offensichtlich noch deutlich darunter. „Ein Supermarktparkplatz, der nach Ladenschluss leer steht, ist kein Parkplatzproblem, sondern eine ungenutzte Ertragsquelle“, sagt Dominic Winkler, Head of Sales & Business Development Real Estate bei Wemolo.
Smarte Parkvorgänge ohne Schranken und Wartezeit

Die technische Grundlage des Systems kommt ohne Schranken, Tickets und Personal aus. Europaweit erfassen bisher 11.000 Kameras die Kennzeichen ein- und ausfahrender Fahrzeuge. Eine Auswertung basierend auf Künstlicher Intelligenz prüft Parkberechtigungen, regelt Bezahlvorgänge und liefert Betreibern Daten zur Parkplatzauslastung in Echtzeit. Für Einzelhändler und Immobilienunternehmen entfallen damit beispielsweise Kosten für Schrankenanlagen, während Nutzer ohne physisches Ticket und ohne Wartezeit an der Ausfahrt parken können.
Was 2019 als UnternehmerTUM-Projekt gegen Fremdparker auf Supermarktparkplätzen begann, bewirtschaftet heute bereits 370.000 Stellplätze in fünf Ländern, darunter Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen und Italien, und verarbeitet täglich 2,5 Millionen Parkvorgänge. Seit der Gründung sind es knapp zwei Milliarden. Das Thalkirchner Unternehmen beschäftigt inzwischen insgesamt über 250 Mitarbeitende und gilt laut Deloitte Fast 50 als das am schnellsten wachsende Startup Deutschlands.
Zu den Kunden zählen neben Aldi und Edeka auch Immobilienunternehmen wie HIH Real Estate, Hotelketten wie Best Western sowie Kliniken und Kommunen. Parkplatzmöglichkeiten bei Aldi Süd werden neben dem Münchner Standort auch in Krefeld, Augsburg und im Allgäu angeboten. Ob und wann das Modell auf weitere Münchner Standorte ausgeweitet wird, bleibt abzuwarten.