Heute spielen internationale Stars in historischen Kellerclubs Live-Jazz-Shows, einladende Bars sorgen für eine entspannte Atmosphäre, während junge Musiker mit neuen Sounds frischen Wind in die Stadt bringen.
Kaum einer weiß, dass München bereits in den 1950er-Jahren Schauplatz einer regelrechten Dixieland- und New-Orleans-Bewegung wurde. Dabei waren es nicht in erster Linie amerikanische Soldaten, die den traditionellen Jazz aus New Orleans populär machten: Vor allem Münchner Gymnasiasten und Studenten entdeckten die Musik für sich und machten sie zum Sound einer jungen Generation.

Amerikanisches Radio bringt New Orleans Sounds
Eine entscheidende Rolle spielte das Radio. Nach dem Zweiten Weltkrieg sendete der amerikanische Militärsender AFN aus der Kaulbach-Villa am Englischen Garten und brachte amerikanische Musik in die Stadt. Besonders folgenreich für die entstehende Dixieland-Szene war die Sendung „Strictly from Dixie“, die sich New-Orleans- und Dixieland-Jazz widmete.
New Orleans Jazz ist in München nicht nur eine historische Fußnote. Bis heute lässt sich der charakteristische Sound der frühen Jazztradition in der Stadt live erleben. Gerade live entfaltet diese Musik ihren besonderen Charakter. Statt eines streng durchkomponierten Konzerts lebt sie vom Zusammenspiel der Musiker, von Improvisation und der unmittelbaren Reaktion aufeinander.
Boheme importiert den Swing
Einer der jungen Musiker, die von diesem Sound angezogen wurden, war der Schlagzeuger Hermann Kügler. 1952 kam der 20-Jährige nach München und suchte nach Gleichgesinnten. Gemeinsam mit den Klarinettisten Frank Weiss und Heinz Schellerer sowie Musikern aus der Hausband der Schwabinger „Gisela“ in der Occamstraße entstanden die Occam Street Footwarmers – Münchens erste Dixieland-Band.
Sie blieben nicht lange allein. Bald folgten Gruppen wie die Riverboat Seven, die Red Hot Brass Band oder die Candid Street Serenaders. Um 1955 konnte man traditionellen Jazz bereits in Lokalen wie Café Freilinger, Alte Laterne, Gisela und den Hot Clubs hören.

Jazz-Events in Schwabing
Spannend wird die Geschichte deshalb nicht allein durch die Herkunft der Musik, sondern durch das, was München daraus gemacht hat. Genau darin liegt der lokale Payoff: New Orleans liefert die musikalischen Wurzeln; München erzählt die Geschichte davon, wie diese Musik hier aufgenommen, gespielt und bis in die Gegenwart weitergetragen wird.
In München lässt sich Jazz heute in ganz unterschiedlichen Atmosphären erleben: vom traditionsreichen Jazzclub Unterfahrt über die intime Jazzbar Vogler bis zum eleganten Night Club im Bayerischen Hof. Wer näher an die lokale Szene heran möchte, kann außerdem Jam Sessions besuchen und junge Münchner Musiker entdecken. Und mit The Jazz Room lässt sich sogar musikalisch zu den Wurzeln des Jazz in New Orleans zurückreisen.
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