München ist eine Stadt voller großer Namen, doch eine der faszinierendsten Persönlichkeiten ist selbst vielen Münchnern kaum im Detail bekannt: Joseph Fraunhofer (später Ritter von Fraunhofer). 1787 in Straubing geboren, wurde er bereits mit zwölf Jahren zum Vollwaisen. Sein Vormund schickte ihn nach München in eine Spiegelschleiferlehre beim Lehrherrn Philipp Anton Weichselberger. Bücher zu lesen war dem wissbegierigen Lehrling strengstens untersagt.
Doch im Juli 1801 änderte ein tragisches Ereignis sein Leben schlagartig. Das baufällige Haus seines Lehrherrn in der Münchner Altstadt stürzte ein. Fraunhofer lag stundenlang unter den Trümmern, konnte aber gerettet werden. Bei der Bergung war kein Geringerer als der bayerische Kurfürst Max IV. Joseph anwesend, der dem geretteten Joseph 18 Dukaten schenkte. Mit diesem Geld kaufte sich Fraunhofer von seinen restlichen Lehrmonaten frei, was den Startschuss für eine beispiellose Laufbahn gab.
Ein Meilenstein für die Astrophysik: Was Fraunhofer im Sonnenlicht entdeckte

Gefördert vom Unternehmer Joseph von Utzschneider stieg der junge Autodidakt schnell auf. Bereits mit 22 Jahren übernahm er die Leitung der Glashütte im Kloster Benediktbeuern, wo er Schleifmethoden und Glassorten entscheidend perfektionierte.
Im Jahr 1814 gelang Fraunhofer mit seinem selbst entwickelten Spektrometer schließlich die entscheidende Entdeckung. Bei der genauen Untersuchung des Sonnenlichts stieß er auf hunderte feine, dunkle Linien. Er vermass 574 dieser Sonnenspektrallinien systematisch, ein Phänomen, das bis heute als Fraunhofer’sche Linien bekannt ist. Damit legte er das Fundament für die heutige Spektralanalyse und Astrophysik.
Fraunhofers Präzisionsinstrumente wie Fernrohre und Mikroskope erlangten weltweiten Ruhm. Als das Optische Institut 1819 zurück nach München verlegt wurde, berief man das Ausnahmetalent zum Vollmitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften. Der bayerische König erhob ihn 1824 schließlich in den Adelsstand. Im selben Jahr wurde er Ehrenbürger der Stadt München.
Durch jahrelange Schwerarbeit und giftige Dämpfe geschwächt, starb Fraunhofer 1826 mit nur 39 Jahren an Tuberkulose in München. Heute erinnert eine Gedenktafel in der Münchner Weinstraße 3 an den Ort, an dem sein zweites Leben unter den Trümmern begann. Sein gelebtes Prinzip der angewandten Forschung prägt die Wissenschaft bis heute und macht ihn zum stolzen Namensgeber der weltbekannten Fraunhofer-Gesellschaft. Anlässlich seines 200. Todestags im Jahr 2026 ehrt die Fraunhofer-Gesellschaft Joseph von Fraunhofer als Pionier zwischen Wissenschaft und Praxis unter der Schirmherrschaft der UNESCO.