Habt ihr euch beim Schlendern am Viktualienmarkt zwischen duftendem Käse, frisch gebackenem Brot und verschiedensten Früchten schon einmal gefragt, wie dieser einzigartige Ort überhaupt entstanden ist? Früher deckten sich die Münchner auf dem heutigen Marienplatz, dem damaligen Schrannenplatz, mit Getreide, Fischen, Eiern und Gemüse ein. Doch zu Beginn des 19. Jahrhunderts platzte der damalige Marktplatz schlichtweg aus allen Nähten. König Max I. Joseph traf daher am 2. Mai 1807 eine historische Entscheidung, indem er per allerhöchster Entschließung befahl, den Verkaufsort zu verlegen. Dafür ließ die Stadt die benachbarten Benefizhäuser von Heiliggeist abbrechen, um eine neue Fläche zu schaffen. Anstelle des alten Standorts entwickelte sich schrittweise das Areal zwischen der Heilig-Geist-Kirche und der Frauenstraße, das lange Zeit schlicht Marktplatz hieß. Erst später etablierte sich der Begriff Viktualienmarkt, abgeleitet vom spätlateinischen Wort für Lebensmittel.
Der Viktualienmarkt im Wandel der Zeiten

Im Laufe der Jahrzehnte wuchs das Gelände kontinuierlich weiter und meisterte so manche Herausforderung. Bereits zwischen 1823 und 1829 musste der Markt deutlich erweitert werden. Später folgten Pavillons für den Obstverkauf, eine Kuttlerhalle und Hallen für den Fischverkauf. Nach den schweren Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gab es sogar Überlegungen, den Markt komplett aufzugeben und das Areal mit Hochhäusern zu bebauen. Glücklicherweise entschied sich die Stadtverwaltung dagegen und investierte erhebliche Mittel. Seit dem 6. November 1975 ist das Areal ein kompletter Fußgängerbereich.
Wenn ihr heute über das Pflaster flaniert, begegnet ihr nicht nur rund 140 vielfältigen Ständen mit Feinkost, Blumen und bayerischen Schmankerln, sondern auch den berühmten Gedenkbrunnen. Die Statuen erinnern an unvergessene Volkssänger und Komiker wie Karl Valentin, Liesl Karlstadt, Weiß Ferdl, Ida Schumacher, Elise Aulinger und den Roider Jackl. Zu Ehren dieser Volkskünstler veranstalten die Münchner Märkte das traditionelle Brunnenfest. Dabei stehen die geschmückten Brunnen im Mittelpunkt und ein Programm zur Unterhaltung wird angeboten.
Entdeckt einzigartige Traditionen und kulinarische Highlights
Das Herzstück bildet der zentralste Biergarten Münchens, bei dem im monatlichen Wechsel die Biere aller sechs Münchner Großbrauereien ausgeschenkt werden. Mitten im Treiben ragt zudem ein prächtiger Maibaum empor. Dieser geht auf eine Initiative des früheren Bürgermeisters Albert Bayerle zurück. Denn er behauptete, dass München als „Millionendorf“ unbedingt einen Maibaum brauche. Seit Mai 1962 schmückt das von den Brauereien gestiftete Wahrzeichen den Markt und zeigt Motive wie den Schäfflertanz, das Brauereigespann oder die zwei Schutzheiligen der Brauer, St. Bonifaz und St. Florian.
Eine weitere liebgewonnene Tradition erwartet euch zur Fünften Jahreszeit. Am Faschingsdienstag tanzen die sogenannten Marktfrauen auf der Bühne am Biergarten und verwandeln den Platz in ein farbenfrohes Fest. Wenn ihr das besondere Flair des Viktualienmarkts miterleben möchtet, schaut doch einfach während der Öffnungszeiten von Montag bis Samstag zwischen 8 und 20 Uhr vorbei!