Bayern ist immer wieder für eine Überraschung gut. In der Umgebung von München liegen zahlreiche idyllische Ziele für einen Tagesausflug, die ungeahnte Geschichten erzählen. Beispielsweise das „bayrische Venedig“ oder die malerischen Rückzugsorte von König Ludwig. Und auch ein kleines Dorf im Voralpenland macht von sich zu sprechen. Polling verbindet auf einzigartige Weise sakrale Pracht, jahrhundertealte Tradition und moderne Spitzenkunst. Das Dorf ist ein geschichtsträchtiges Gesamtkunstwerk, das ihr euch unbedingt einmal anschauen solltet. Besonders praktisch: Polling hat einen eigenen Bahnhof an der Strecke München–Garmisch, sodass man in weniger als einer Stunde dort ankommt.
Der Herzog und seine Legende

Die Gründung des Klosters in Polling reicht bis in das Jahr 750 zurück. Und ist mit einer charmanten Legende verbunden: Herzog Tassilo III., der auch das sagenhafte Kloster Wessobrunn gründete, soll bei der Jagd eine Hirschkuh verfolgt haben, die plötzlich stehen blieb und an einer Stelle scharrte, an der drei Kreuze im Boden vergraben waren. Genau dort gründete er das Kloster. Sie beeindruckt bis heute mit ihren barocken Halle, dem meisterhaften Stuck und dem berühmten Gnadenbild, dem „Tassilo-Kreuz“.
Doch Polling war weit mehr als nur ein Ort des Gebets. Im 18. Jahrhundert entwickelte es sich zu einem der bedeutendsten Zentren der Wissenschaft und Aufklärung in Bayern. In der berühmten Klosterbibliothek wurde nicht nur Glaube verwaltet, sondern Wissen gesammelt. Der Bibliotheksaal gilt als einer der schönsten Konzertsäle Bayerns. Hier finden regelmäßig Kammerkonzerte auf Weltklasseniveau statt, die ihr im Veranstaltungskalender überblicken könnt.
Kunst und Kultur von Weltklasse von einem kleinen bayrischen Dorf

Wer heute durch das Dorf spaziert, merkt schnell: In Polling ging es immer um den Blick über den Tellerrand. Das Dorf hat seine historische Substanz bewahrt und gleichzeitig Raum für zeitgenössische Highlights geschaffen. Eines davon ist die „Stoa 169“. In dieser weltweit einzigartigen Säulenhalle haben über 100 Künstler:innen aus aller Welt jeweils eine Säule gestaltet. Auf 1600 Quadratmetern mitten in der Natur könnt ihr euch hier mit internationaler Kunst beschäftigen. Es ist ein offener Ort der Kunst mitten in der Natur, der zum Staunen und Nachdenken anregt.
Die Säulenhalle soll ein „Zeichen der Solidarität und Völkerverständigung“ sein, was auch ganz im Sinne Pollings ist. Zwischen alteingesessenen Wirtschaften und hochkarätigen Galerien könnt ihr in diesem Dorf besonders entspannt spazieren gehen. Dabei könnt ihr den „Dr.-Faustus-Weg“ gehen: Denn Polling ist das fiktive Pfeiffering, einer der Schauplätze von Thomas Manns Roman Doktor Faustus. Der kleine Spazierweg durch das Dorf berührt alle im Roman erwähnten Örtlichkeiten.