Stellt euch vor, ihr spaziert in den 1970er-Jahren durch Schwabing und könntet plötzlich Chet Baker, Art Blakey oder andere internationale Jazzgrößen auf einer kleinen Bühne erleben. Was heute nach einer unglaublichen Zeitreise klingt, gehörte damals zum Standard. Das legendäre Domicile machte die Stadt zu einer der wichtigsten Jazzadressen Europas. Doch hinter seinen Türen verbirgt sich nicht nur eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, sondern auch ein überraschendes Ende.

Alles begann am 1. Mai 1965, als der Jazzbassist Ernst Knauff das Domicile in der Siegesstraße 19 eröffnete. Mit Platz für gerade einmal rund 100 Gäste war der Club zunächst alles andere als eine große Konzertlocation. Doch Knauff hatte ehrgeizige Pläne: Er reiste sogar nach New York, um internationale Jazzstars für Auftritte in München zu gewinnen.
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Größen wie Chet Baker, Art Blakey und Benny Bailey machten Schwabing zum Anziehungspunkt für Musikliebhaber. 1976 zog das Domicile schließlich in die Leopoldstraße 19, wo zur Eröffnung die berühmte Thad Jones/Mel Lewis Big Band gleich drei Wochen lang auftrat. Hier wurde nicht einfach Musik gespielt: das Domicile schrieb ein Stück internationaler Jazzgeschichte.
Warum der legendäre Jazzclub plötzlich verschwand
Doch selbst der Ruhm internationaler Jazzstars konnte das Domicile nicht retten. Steigende Kosten und finanzielle Schwierigkeiten machten es zunehmend schwer, große Musiker aus den USA anzuheuern. 1981 verabschiedete sich Gründer Ernst Knauff aus dem Club, der anschließend als Rocklocation weitergeführt wurde.
Das endgültige Ende der Live-Musik-Ära kam wenige Jahre später und hatte einen beinahe unglaublichen Auslöser: einen Streit über die Renovierung der Toiletten. 1985 berichtete die Zeit über die Umwandlung des einst berühmten Musikclubs in eine Diskothek. Damit verschwand eine der legendärsten Bühnen Schwabings.
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Die großen Jazzlegenden kehren musikalisch nach München zurück
Auch wenn das Domicile längst Geschichte ist, lebt die Begeisterung für Jazz in München weiter. Wer die Musik vergangener Jahrzehnte wieder hautnah erleben möchte, kann sich bei The Jazz Room auf eine besondere Zeitreise freuen.
Dort erklingen Klassiker wie Fly Me to the Moon, My Way und What a Wonderful World in einer mitreißenden Live-Hommage. Rund 60 Minuten lang sorgen ausdrucksstarke Stimmen, schwungvolle Melodien und eine intime Konzertatmosphäre für ein Erlebnis, das an die große Tradition der Jazzclubs erinnert.